27 Februar 2020

Olivia Gadient über Leidenschaft, Fernweh und das Gründen neben dem Vollzeitjob

Olivia ist Co-Gründerin und Geschäftsführerin von Strawganic und das neben ihrem Vollzeitjob. Wie sie das unter einen Hut kriegt, was die größte Herausforderung war und wie sie dennoch ihre Leidenschaft für das Reisen auslebt, erzählt sie uns hier.

WORK

Was war dein erster Job?

Mein erster Job war bei meinem Vater in der Autowerkstatt. Ich habe dort während meiner Schulzeit in den Sommerferien ausgeholfen.

Gab es die Überlegung, dass du das Unternehmen deines Vaters übernimmst?

Ja, ich wollte sogar meine Ausbildung bei ihm machen. Jedoch war er der Meinung, dass ich zunächst in einer anderen Werkstatt Erfahrung sammeln sollte. Aus Trotz habe ich mit dann entschlossen etwas ganz anderes zu machen. Bin rückblickend aber wirklich froh, die Winter nicht in der Garage verbringen zu müssen. Autos liebe ich aber noch immer!

Was hast du also dann nach der Schule gemacht?

Zunächst begann ich mit der Handelsschule und habe anschließend in einem Hotel an der Rezeption gearbeitet. Mich dann für ein BwL Studium entschieden, dieses abgebrochen und letztendlich Tourismus studiert, da mein Herz für das Reisen schlägt. Nur bin ich dann aber doch bei einem Pharmakonzern im Eventmanagement gelandet, konnte jedoch in Asien überwintern.

Wie hast du das geschafft?

Nachdem ich nach meinem Studium vier Monate mit Reisen verbracht habe, wusste ich bereits als ich zurückkam, dass ich wieder reisen gehen wollte. Deshalb habe ich ausschließlich temporäre Verträge unterschrieben. Zum Glück hat das auch immer gut geklappt, sodass ich bis heute bei dem gleichen Arbeitgeber angestellt bin.

Noch immer auf Zeit?

Seit zweieinhalb Jahren bin ich fest angestellt. Als ich den Vertrag unterschrieben habe, hatte ich vor der dreimonatigen Kündigungsfrist wirklich Panik. Zwei Monate später kam mir dann aber die Idee zu Strawganic. Heißt, es war definitiv eine glückliche Fügung, denn so konnte ich die Firma nebenher gründen.

Wie kam dir die Idee zu Strawganic?

Als ich auf Bali beim Surfen war. Ich hatte immer Plastik zwischen den Fingern und sogar im Gesicht. Als ich abends in einem kleinen lokalen Restaurant einen Glasstrohhalm zu meinem Smoothie bekam, habe ich gefragt wer der Lieferant sei und einfach mal 500 Exemplare bestellt. Zurück zuhause kamen diese dann auch recht schnell an und ich wusste, dass ich irgendetwas mit ihnen machen muss. Das war die Geburtsstunde von Strawganic. Auch wenn ich eigentlich keinen Plan hatte.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe angefangen das Logo zu entwerfen und mit einigen Freunden und Arbeitskollegen gesprochen. Adrian, ein Kollege von mir, mit dem ich eigentlich bis dato nur wenig Kontakt hatte, fand die Idee so genial, dass er direkt dabei sein wollte.

Wie hast du darauf reagiert?

Ich habe eine Nacht drüber geschlafen und mit meinem Vater sowie besten Freundin gesprochen. Mein Bauchgefühl war aber direkt positiv, sodass ich am nächsten Tag zugesagt habe. Das war die beste Entscheidung meines Lebens.

Was macht euch als Gründerteam so stark?

Wir komplementieren uns perfekt. Ich entwickle die Produkte, kümmere mich um das Marketing und die Webseite. Er hingegen hält den Laden zusammen, indem er sich um die Finanzen, die Supply Chain und das gesamte Backend kümmert.

Wie hat euer gemeinsamer Arbeitgeber reagiert?

Bis heute arbeiten wir noch 100 Prozent in unseren Jobs. Damit wir das dürfen, mussten wir jedoch nur einige Formulare ausfüllen und bestätigen, dass wir nicht mit ihnen konkurrieren und es die Arbeit nicht beeinträchtigt. Sprich, es war eigentlich ganz einfach.

Wie habt ihr angefangen?

Wir haben mit einer Webseite angefangen, um die Strohhalme online zu verkaufen. Anschließend haben wir nach kleinen Geschäften gesucht, die unsere Produkte aufnehmen. Dieses Jahr sind wir dann mit unserem ersten Distributor gestartet. Das war nicht leicht für mich, denn ich wollte alles kontrollieren und selbst machen. Wenn du skalieren willst, musst du die Kontrolle aber abgeben können. Rückblickend war das auch wirklich eine gute Entscheidung.

Strawganic ist nun 2,5 Jahre alt. Was war die größte Hürde?

Unsere Geduld wurde wirklich oft gefordert. Wir wollen keine fremden Investitionen annehmen, um die komplette Kontrolle über die Firma zu behalten. Auch wenn es damit länger dauert, glauben wir, dass es der richtige Weg ist. Denn wir hatten so eine extrem steile Lernkurve. Das geht aber natürlich nur, wenn man sich das auch finanziell leisten kann. Genau deshalb haben wir eben noch beide unsere Vollzeitjob.

Was würdest du Frauen, die gründen wollen auf den Weg geben?

Einfach loszulegen. Denn es gibt nichts Schöneres als unabhängig an seinem eigenen Unternehmen zu arbeiten. Klar, ist es stressig und kostet viele Nerven. Dann hilft es natürlich immens, wenn man einen guten Business Partner an seiner Seite hat, der einen ergänzt.

LIFE

Du hast mittlerweile drei Jobs – wie schaffst du es abzuschalten?

Ich kann das zum Glück relativ gut. Wenn ich tanzen gehe, mich mit Freunden und Kollegen treffe oder eben auch mal den ganzen Tag im Bett verbringe. Es hilft auch, dass ich niemand bin, der sich schnell unter Druck setzen lässt.

Praktizierst du gewisse Tools und Rituale, um das beizubehalten?

Ich versuche einmal die Woche Yoga zu machen, da es mir sehr hilft runterzukommen.  Meine Reisen helfen mir natürlich auch dabei. Wenn ich unterwegs bin, übergebe ich das Postfach auch an meinen Business Partner. So muss ich keine Mails checken und kann direkt abschalten.

Apropos Reisen. Hast du Tipps was das Reisen alleine angeht?

Wenn jemand nicht gerne alleine reist, dann empfehle ich Ziele in denen sich viele Backpacker oder Nomads aufhalten. Wenn man dort in Hostels unterkommt, findet man auch super schnell Anschluss. Ich habe dort zum Beispiel auch Freunde fürs Leben gefunden, schließlich befindet man sich in gewisser Weise in einer Extremsituation. Das verbindet! Gleichzeitig macht es auch wirklich Spaß alleine zu reisen, man fühlt sich frei und kann jeden Tag das machen, was man selber möchte.

Kommt bei all der Arbeit und Leidenschaft für das Reisen nicht mal die Familie und Freunde zu kurz?

Meine Familie und Freunde geben mir den notwendigen Ausgleich. Was die Liebe angeht bin ich jedoch zurückhaltender, da ich meine Freiheit wirklich liebe und mich vor niemanden rechtfertigen will. Wenn der Richtige aber kommen sollte, dann bin ich auch offen dafür.

Du bist jetzt 33. Kinder stehen da nicht auf der Agenda?

Ich hatte noch nie ein großes Verlangen eigene Kinder zu bekommen und freue mich auch mit siebzig die verrückte Tante zu sein. Ob das so kommen wird, werden wir sehen. Momentan fokussiere ich mich aber lieber auf die Gegenwart.

Hast du eine persönliche Mission?

Mir ein unabhängiges Leben aufzubauen, sodass ich meinen eigenen Projekten und Leidenschaften nachgehen kann.