27 Februar 2020

Nikola Bachfischer über Stärken, Fehler und persönliche Ziele

Dr. Nikola Bachfischer ist Gründerin, Autorin und Executive Coach. Uns gibt sie nicht nur jede Menge Gründertipps, sondern erklärt warum es so wichtig ist seine Stärken kennenzulernen und sich über seine Fehler zu freuen.

WORK

Was war dein erster Job?

Während der Schulzeit habe ich nebenbei bei einem Presse-Grosso, dem Verteilsystem von Zeitungen vom Verlag zum Einzelhändler – gearbeitet. Leider war es war wirklich absolut langweilig! Alles war standardisiert und festgelegt. Ich durfte als Praktikantin eigentlich nur den Stapel Zeitungen von A nach B tragen. Von da an war mir klar, dass ich zukünftig einer abwechslungsreichen Arbeit nachgehen will.

Was bereitet dir momentan am meisten Freude?

Weil ich viele unterschiedliche Interessen habe und am liebsten tausend Dinge gleichzeitig machen würde, beschäftige ich mich vor allem mit Innovation und berate Unternehmen auf ihrem Weg ins digitale Zeitalter. Ich bin eher die Visionärin und Strategin.

Deshalb funktionieren ja auch Start-up Szenen wie das Silicon Valley oder Berlin so gut. Dort teilen die Menschen meist das gleiche Gedankengut: du musst mehrmals scheitern bevor es klappen kann. Denn nur durch Fehler lernst du, was funktioniert oder eben nicht.

Was würdest du Frauen, die gründen wollen, auf den Weg mitgeben?

Erstens wirklich in dem Bereich eine Leidenschaft zu haben. Wenn du diese nicht hast, dann wirst du wahrscheinlich die schwierigen und tiefen Zeiten nicht durchstehen. Und die kommen immer!

Dann brauchst du natürlich einen Plan. Aber das Entscheidende ist, dass du dennoch agil bleibst, konstruktive Kritik annimmst und dementsprechend deine Idee anpasst. Man darf sich nicht persönlich angegriffen fühlen, sondern muss jegliches Feedback zur Weiterentwicklung nutzen.

Gleichzeitig sind Gründerinnen in technikinten­siven Bereichen noch weniger stark vertreten, was eng mit dem geringen Anteil von Frauen mit MINT-Hinter­grund zusammenhängt.edoch sollte die Idee sich idealerweise eben schon in einem zukunftsfähigen Bereich ansiedeln. Damit wird es dir definitiv leichter Geld einzusammeln. Das gilt momentan natürlich für Technologien, aber auch für Branchen, in denen die menschlichen Qualitäten besser sind und bleiben als die der Maschinen.

Thema Investment: wie finanziere ich meine Startup Idee?

Generell ist es eine Frage der finanziellen Unabhängigkeit. Wenn du parallel noch deinen Lebensunterhalt (Miete, Essen etc.) mitfinanzieren musst, ist es natürlich nicht gerade leicht. Mittlerweile kann man aber auch häufig seine Vollzeitstelle auf 50 oder sogar 80% reduzieren und so parallel sein Startup aufbauen. Eine weitere super Idee sind natürlich Inkubatoren und Accelerator Programme. Man muss klug auswählen, schauen inwiefern das neben dem Finanziellen einen weiterbringt und ob das jeweilige Programm zu einem passt.

Bei all den Herausforderungen, wie halte ich dennoch an der Umsetzung meiner Idee fest?

Klar solltest du auch unbedingt die Schwächen deines Geschäftsmodells kennen, musst aber dennoch wirklich hinter der Idee stehen und diese selbstbewusst vertreten. Netzwerke können dabei sehr hilfreich sein. Denn so kommst du mit Personen in Kontakt, die sich womöglich in der gleichen Situation befinden und dich verstehen und unterstützen können.

LIFE

Was bedeutet Erfolg für dich?

Dass man weiß wo seine Stärken und Interessen liegen und versucht diese auszuleben und
dann nach eigenen Maßstäben zufrieden damit ist.

Wie finde ich meine Stärken?

Seine Stärken zu finden ist ein Lernprozess. Man lernt da auch nie aus – das ist ein ewiger Prozess. Je öfter du unterschiedliche Dinge ausprobierst, desto mehr Stärken entwickelst du und desto bewusster wirst du dir vor allem auch über deine Schwächen.

Was mache ich mit meinen Schwächen?

Ich glaube, anstatt deine Schwächen ständig verbessern zu wollen oder gar zu verstecken, solltest du deine Stärken ausleben. Sonst kann es auch passieren, dass du Letztere vergisst.

Soll ich meine Schwächen also nicht verbessern?

Klar, kann man seine Schwächen verbessern. Ich glaube aber, der Schwerpunkt sollte darauf liegen worin man gut ist. Denn so wird man, was diese Fähigkeit angeht immer besser und besser. Das macht einen auf lange Sicht auch erfolgreich und glücklich. Denn wenn es dir Spaß macht gehst du die extra Meile und bist motiviert.

Innovation und somit Veränderung prägen deinen Alltag. Was bedeutet Veränderung für dich?

Veränderung kann alles bedeuten. Ich glaube es gehört einfach zu unserer Entwicklung dazu. Ich finde es langweilig, wenn sich Menschen nicht weiterentwickeln, wenn keine neuen Aspekte hinzukommen. Das muss kein 180 Grad Wandel sein, sondern können auch kleine Schritte sein. Jeder Mensch entwickelt sich anders. Heißt Veränderung an sich ist super wichtig, aber wie sie aussieht ist sehr unterschiedlich.

Wie gehe ich Veränderung also an?

Ich glaube man sollte keinen fünf oder zehn Jahresplan haben. Schließlich kann niemand von uns vorhersehen was passieren wird. Stattdessen sollten wir uns fragen was unser Ziel bzw. unsere Mission im Leben ist. Daraus können wir schließlich Werte ableiten, die als Puzzlestücke dienen und uns Stück für Stück ermöglichen Entscheidungen zu treffen, um so herauszufinden wer wir sind und was wir wollen.

Was ist deine persönliche Mission?

Mein übergeordnetes Ziel ist Wissen weiterzugeben. Mir ist es wichtig Unternehmen oder Menschen zu helfen zukunftsorientiert zu bleiben oder zu werden. Jeder braucht letztendlich etwas anderes, um zukunftsfähig zu sein. Deshalb geht es dabei vor allem darum handlungsfähig zu sein. Das Schlimmste ist Hilflosigkeit – wenn ich vor einer Situation stehe und nichts mehr tun kann.

Gibt es etwas was uns an Veränderungen hindert?

Definitiv Angst. Klar, wird die Welt immer komplexer und das macht es sicherlich nicht einfacher. Aber wenn du Angst hast, lässt du Neues nicht zu und hemmst somit natürlich auch Veränderung.

Wie werde ich meine Angst los?

Durch Ausprobieren! Viele Menschen haben zum Beispiel Angst vor neuen Technologien und sehen sie absolut negativ. Sobald sie diese aber einmal praktisch ausprobieren, bekommen sie Berührungspunkte und sehen eben auch die Vorteile.

Wie hältst du diesen Spirit auch im Alltag aufrecht?

Das ist nicht immer leicht. Oft ist die Mailbox voll oder die Kinder brauchen Aufmerksamkeit, so dass der eigentliche Plan schnell mal wieder verloren geht. Dennoch reicht Denken alleine nicht, man muss auch ins Handeln kommen. Dafür finde ich 30 Tage Challenges total gut. Heißt, du probierst etwas Neues für 30 Tage aus. Einen Monat sollte man schaffen. Wenn nicht, dann ist es einfach nichts für dich!

Du bist Autorin, Gründerin und ganz nebenbei auch Ehefrau und Mutter von drei Kindern. Wie kannst du auch im Alltag abschalten?

Wenn ich länger keine Bewegung habe, dann geht mir total etwas ab. Ich liebe es mit dem Rad unterwegs zu sein und parallel einen Podcast zu hören. Aber auch jede andere Art von Bewegung. Wenn ich es mal nicht zum Sport schaffe, dann parke ich zum Beispiel mein Auto möglichst weit weg und gehe den Rest zu Fuß.