23 April 2020

Jasmine Werner über Jobwechsel, ein erfülltes Berufsleben und die neue Arbeitswelt

Jasmine hat in ihrer bisherigen beruflichen Karriere schon viele Dinge ausprobiert. Von der Start-up Welt bis hin zum Großkonzern und das alles nur, weil sie mutig genug war der Sicherheit den Rücken zu kehren. Jetzt beschäftigt sie sich mit dem Thema New Work. Wir haben von ihr nicht nur gelernt, warum jeder den Begriff für sich selbst definieren sollte und auf was es in der neuen Arbeitswelt so ankommt, sondern auch wie man es schafft ein erfülltes Berufsleben aufzubauen.

Wir fangen gerne von vorne an. Was war dein aller erster Job?

Während der Schulzeit habe ich ganz klassisch Zeitungen ausgetragen. Mein erster professioneller Job war aber als Beamtin im Jugendamt. Ich habe mich nach dem Abitur für ein Duales Studium bei der Stadt Frankfurt entschieden, wurde dort übernommen und habe dann vier Jahre fest dort in der Personalabteilung gearbeitet. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass mich dieser Beruf nicht mehr erfüllt und habe die Reißleine gezogen.

Wie kam es dazu?

Es war mal wieder einer dieser langen Montage und ich habe eine Kollegin gefragt, ob ihr unser Job Spaß machen würde. Als Antwort bekam ich nur: „Nein, aber es ist halt Arbeit.“ Für mich war mit diesen Worten die Entscheidung gefallen, dass mir das nicht mehr ausreicht. Ich wollte Neues lernen, in dynamischeren Umfeldern aktiv sein und einer Arbeit nachgehen, an der ich selbst wachsen kann.

Und wie ging es dann weiter?

Ich bin nach Berlin gezogen, um den Master in Business Communication zu machen. Erstmal hatte ich mich auf die Bereiche Marketing und PR eingestellt, aber war mir eben auch über die Vielfalt der Möglichkeiten bewusst. Denn letztlich ist gute Kommunikation ein Erfolgsfaktor für jede Organisation.

Am Ende wurden es ja auch sehr unterschiedliche Positionen oder nicht?

Das stimmt. Über eine Freundin habe ich neben meinem Studium bei HelloFresh angefangen. Das war eine spannende Zeit, da sich das Unternehmen damals am Anfang der Hyper Growth Phase befand.

Anschließend hat es mich zur Deutschen Bahn verschlagen, wo ich mit meinem Team die Open Innovation Plattform Beyond1435 aufgebaut habe. Die Themen Transformation und Digitalisierung haben mich nicht mehr losgelassen, sodass daraufhin bei Axel Springer hy als Projektmanagerin für Digitale Transformation gearbeitet habe und dann bei Axel Springer People & Culture gelandet bin.

Für alle, denen der Begriff Expert im Bereich New Work nichts sagt – mit was beschäftigst du dich also aktuell?

Ich beschäftige mich mit Transformationsprojekten und hauptsächlich mit dem physischen Arbeitsplatz. Mein Projekt ist der Axel Springer Neubau – ein großes Bauprojekt, welches für Axel Springer als ein Symbol für den Medienwandel, Offenheit, Transparenz und Kommunikation gilt. Meine Aufgabe ist es den Kulturwandel, welcher mit dem neuen Arbeitsformenkonzept einhergeht, u.a. mit Consulting, Trainings und Workshops zu begleiten.

Und was genau versteht man jetzt eben unter dem Begriff „New Work“?

Unsere Arbeitswelt ändert sich und das ständig. Das Buzzword dafür ist definitiv New Work. Wenn man es googelt findet man deshalb auch sehr verschiedene Definitionen dazu. Im Prinzip ist es jedoch eine Einstellung. Es geht dabei um die Frage, wie wir in Zukunft (zusammen) arbeiten wollen. Darunter fallen verschiedene Prinzipien, die sich im unternehmerischen Alltag widerspiegeln und das Empowerment der Mitarbeiter steigern; d.h. das Erleben von Sinnhaftigkeit, Selbstbestimmung, Freiheit und Kompetenz am Arbeitsplatz.

Ist am Ende der Arbeitgeber oder man selbst für sein eigenes erfülltes Berufsleben verantwortlich?

Ich glaube jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Du musst deine Bedürfnisse und Werte für dich selbst kennen. Im Idealfall steht der Arbeitgeber wiederum als Coach zur Seite, indem er die persönliche Entwicklung fördert und entsprechende Möglichkeiten bereithält, damit beide Interessen am Ende verbunden werden können.

Wird sich diese Rollenverteilung zukünftig verändern wird?

Unternehmen sind mehr denn je in der Pflicht sicherzustellen, dass ihre Mitarbeiter sich stetig weiterentwickeln können. Das Stichwort „lebenslanges Lernen“ ist derzeit in aller Munde, da Arbeitnehmer heutzutage nicht nur neue Kompetenzen erlernen wollen, sondern auch müssen, um auf die Veränderungen in der Arbeitswelt vorbereitet zu sein.

Inwiefern werden wir zukünftig denn anders arbeiten?

Im Prinzip müssen wir schon jetzt morgens nicht mehr in ein Büro gehen, da uns unterschiedliche Tools und Plattformen zur Verfügung stehen, die uns ermöglichen remote miteinander zu arbeiten. Das Büro ist mittlerweile vielmehr ein weiteres großes Kommunikationstool. Ein Ort, um Beziehungen aufzubauen, Face-to-Face miteinander zu kommunizieren und dadurch neue Ideen zu kreieren und Innovationen zu schaffen. Daneben gibt es natürlich auch noch andere Technologien, wie z.B. Künstliche Intelligenz und Robotics, wodurch einige Berufsfelder und Tätigkeiten wegfallen werden, aber auch viele neue entstehen.

Stichwort Technologien. Siehst du sie als große Chance oder ein Problem für den Arbeitnehmer?

Die Künstliche Intelligenz soll uns ja nicht ersetzen, sondern nur unterstützen. Sie kann uns wieder mehr Zeit schenken und uns ermöglichen kreativ zu denken. Durch Automatisierung und Übernahme linearer Arbeitsabläufe werden Synergien freigesetzt, wodurch wir uns wieder vermehrt kreativen oder sozialen Tätigkeiten widmen können. Die menschliche Kreativität und Innovationskraft werden auch in Zukunft nicht zu ersetzen sein. Diese Fertigkeiten werden Maschinen auf lange Sicht nicht ausbilden können, davon bin ich überzeugt.

Noch eine weitere Perspektive auf Technologien: Gerade in der aktuellen Situation wo viele von uns von zuhause arbeiten und wir uns sozial voneinander distanzieren müssen bin ich sehr dankbar für Technologien. Kollaborationstools und Messenger z.B. ermöglichen es uns auf fantastische Weise trotzdem gut und effizient mit dem Team an Projekten zu arbeiten, aber auch mit Familie und Freunden per Videochat Kontakt zu halten.

Dennoch lösen die Entwicklung oftmals Angst aus. Wie kann ich lernen mit Neuem umzugehen?

Vieles steht und fällt mit dem richtigen Mindset. Du kannst dich selbst einschränken oder aber davon ausgehen, dass nichts unmöglich ist und du immer wieder Neues erlernen kannst und dich stetig weiterentwickelst. Das nennt man Growth Mindset. Wenn man dieses entwickelt, dann steht man Veränderungen insgesamt viel toleranter gegenüber. Persönlich hilft es mir oftmals auch bewusst zu werden, dass das gesamte Leben von Veränderungen geprägt ist. Es passiert ständig etwas Neues, ohne dass man einen Einfluss darauf hat. (Schulzeit, Pubertät, die erste Liebe, der Eintritt ins Berufsleben…).

Apropos Neues ausprobieren… du bist im vergangenen Jahr 550 Kilometer gelaufen?

Es ist ein Staffellauf von Santa Monica, Los Angeles nach Las Vegas gewesen. Sprich, ich habe das Rennen gemeinsam mit neun anderen Läufer*innen bestritten. Die besondere Herausforderung waren die Bedingungen: einmal quer durch die Wüste, ca. 46 Stunden am Stück unterwegs, keine Pausen und wenig Regernation. Wir haben die Etappen untereinander aufgeteilt. Ich bin sowohl in der Mittagshitze, aber auch mal mitten in der Nacht gelaufen. Der beste Moment war aber, als wir kurz vor dem Ziel unter uns die Lichter von Las Vegas gesehen haben. Diesen Moment werde ich nie vergessen.

Wie behält man bei so einer Distanz das Ziel vor Augen?

In diesem Fall war es definitiv der Zusammenhalt der Gruppe. Ich bin aber auch in den vergangenen Jahren schon vier Marathons gelaufen. Dort rechne ich rückwärts, sodass ich mich Stück für Stück an mein Ziel hinarbeite, welches ich während dem Laufen bereits visualisiere. Sprich, ich habe immer den Moment vor Augen, wenn ich über die Ziellinie renne und die Medaille um den Hals trage.

Gehst du mit deinen persönlichen oder beruflichen Zielen ähnlich um?

In der Tat. Es hilft die Ziele zu formulieren und aufzuschreiben, damit man jeden Tag eine Etappe nehmen kann, um diesen Schritt für Schritt näherzukommen. Jedoch ist das natürlich auch eine persönliche Geschichte. Manchen kann ein Visionboard oder sogar ein Mind Movie helfen. Das was am Ende aber immer zählt, dass man den ersten Schritt wagt und einfach mal loslegt. Das ist der einzige Weg seine Ziele auch zu erreichen. JUST DO IT AND GET SHIT DONE 😉