14 Mai 2020

Infektionsherd Fleischindustrie, Chinas Rückzieher und einer, der das nächste Amt aufgibt

Beef

Die Story

Die Fleischindustrie ist zum Infektionsherd geworden.

Was ist passiert?

In den vergangenen Tagen ist es zu immer mehr Corona-Fällen in Schlachthöfen gekommen. Allein in einem Betrieb in Coesfeld haben sich mittlerweile mehr als 260 Mitarbeiter infiziert. Die Zahlen sind so hoch, dass die betroffenen Landkreise teilweise ihre geplanten Lockerungen der Corona-Beschränkungen verschieben müssen. Nun stehen die Arbeitsbedingungen der Branche im Visier.

Was ist das Problem?

Subunternehmen. Sie stellen bis zu 90% der Arbeitnehmer. Dabei vorwiegend Saisonarbeiter aus Osteuropa, welche nicht nur in den Schlachthöfen Schulter an Schulter arbeiten, sondern in Sammelunterkünften auf engstem Raum zusammenwohnen. Verstöße gegen die Schutzmaßnahmen stehen deshalb an der Tagesordnung. Zumal überlange Arbeitszeiten, fehlende Pausen und eine schlechte Bezahlung die Bedingungen weiter untergraben.

Und was macht die Regierung?

Arbeitsminister Hubertus Heil will „mit diesen Verhältnissen aufräumen“. Entsprechend sollen am kommenden Montag strengere Vorschriften beschlossen werden. Es geht darum Kontrollen zu verschärfen und den Arbeitsschutz zu verbessern. Die betroffenen Bundesländer wollen unterdessen alle Mitarbeiter der Betriebe testen lassen. 

Unterm Strich

Während Deutschland die Wirtschaft wieder hochfährt, sorgt die Fleischindustrie für einen Dämpfer. Nun setzt die Regierung alles daran die Sicherheit der Arbeitnehmer sicherzustellen. 

Rückzieher

China hat mit neuen lokalen Ausbrüchen des Coronavirus zu kämpfen. Um eine zweite Infektionswelle zu verhindern, riegelt das Land deshalb wieder eine Millionenstadt in Teilen ab. Nachdem in Jilin und der gleichnamigen Provinz rund zwei Dutzend neue Infektionen gemeldet wurden, kommt der Bus- und Zugverkehr zum Stehen und dürfen Menschen nur noch mit einem negativen Testergebnis ausreisen. Auch das einstige Epizentrum Wuhan kämpft mit neuen Erkrankungen. Nachdem sechs Anwohner eines Wohnblocks in den vergangenen Tagen positiv getestet wurden, sollen sich nun alle 11 Millionen Einwohner der Stadt in Rekordzeit testen lassen. 10 Tage haben sie Zeit. Die Uhr tickt. 

Und sonst?

Wer sagt „bis hier und nicht weiter“…

Horst Seehofer. Gestern gab er die ersten Lockerungen an den Grenzen bekannt. Schon am kommenden Samstag werden alle Übergänge geöffnet. Freie Fahrt gibt es jedoch nur Richtung Luxemburg. Die Kontrollen nach Österreich, Frankreich und der Schweiz werden auf Stichproben beschränkt. Ab dem 15. Juni plant der Innenminister dann auch diese aufzuheben. Entsprechend soll bis dahin jedoch nur mit „triftigem Grund“ eingereist werden. Kritiker sind mit dieser Entscheidung nicht glücklich.

Was die EU zu sagen hat: Die EU-Kommission hat sich gestern für den Sommerurlaub stark gemacht. Abstand und Hygiene werden jedoch vorausgesetzt. Als erstes könnten Staaten mit rückläufigen Infektionszahlen auf beiden Seiten den Tourismus wieder ankurbeln.

Wer auf seine Weise „sorry“ sagt…

Thomas Kemmerich. Der FDP-Politiker legte gestern seine Mitgliedschaft im Bundesvorstand bis Ende des Jahres auf Eis. Damit zieht er die Konsequenzen seiner Teilnahme an einer Corona-Demo am vergangenen Samstag. Er hatte sich ohne Mundschutz und Abstandsregeln einzuhalten unter die Menge gemischt, worunter auch AfD-Anhänger und Verschwörungstheoretiker waren. Geht es nach seinen liberalen Kollegen, hat er der Partei damit „schweren Schaden“ zugefügt. Einige legen ihm deshalb sogar den Parteiaustritt nahe. Kemmerich selbst möchte sich nun über seine künftige Rolle bei den Liberalen Gedanken machen.

Welches Unternehmen den Rotstift ansetzt…

Tui. Der weltweit größte Reiseanbieter will 8.000 Stellen streichen. Mehr als jeder zehnte Arbeitsplatz ist betroffen. Das Unternehmen will damit seinen Sparkurs verschärfen. Nach den üblichen Verlusten im Winter steht es nämlich vor der nächsten schwierigen Saison. Weltweit gibt es weiter Reisebeschränkungen, das Sommerprogramm ist nur zu 35% ausgebucht. Um die Einnahmeeinbußen abzufedern, bekommt der Dax-Konzern bereits einen staatlichen Hilfskredit von 1,8 Milliarden Euro. Doch selbst dieser reicht bei den Zahlen womöglich nicht aus.

Über wen die Leute reden…

Joko und Klaas. Die Moderatoren nutzten die Prime Time, um ein Statement gegen die sexuelle Belästigung von Frauen zu setzen. Jede zweite Deutsche hat damit bereits Erfahrung gemacht. Zahlreiche Prominente plauderten aus dem Nähkästchen und offenbarten die unschöne Realität.