19 Mai 2020

Die WHO im Rampenlicht, Reiseplanung und einer, der auf seine Freunde zählen kann

Doktor WHO

Die Story

Seit gestern läuft die alljährliche Weltgesundheitsversammlung.

Um was geht es?

Wie jedes Jahr steht der Termin im Kalender der 194 Mitgliedsstaaten. Dieses Mal ist aber einiges anders. So findet das Treffen nicht nur virtuell statt, sondern rücken die üblichen Themen auch in den Hintergrund. Stattdessen dreht sich alles um das Coronavirus. Mehr als 4,7 Millionen Menschen haben sich bereits infiziert und rund 315.000 sind an den Folgen gestorben. Nur gemeinsam lässt sich die Pandemie in den Griff kriegen, hieß es zum Auftakt. Statt Minister oder andere Vertreter, ließen es sich die Staatschefs deshalb nicht nehmen selbst ans Mikro zu treten.

Was steht auf der Tagesordnung?

Eine globale Kooperation. Die Länder haben in den vergangenen Wochen ihre eigenen teilweise sogar widersprüchlichen Strategien verfolgt. Nun setzt allen voran die EU alles daran künftig mit den anderen Staaten zusammenzuarbeiten, um eine gerechte Verteilung eines Impfstoffs zu garantieren. Daneben geht es auch darum den Ursprung der Pandemie aufzuklären. Mehr als die Hälfte der Mitgliedsstaaten fordern diesbezüglich eine unabhängige Untersuchung. Dabei geriet nicht nur China in den Fokus, sondern auch die WHO selbst stand in der Kritik.

Ich nehme an, die USA haben dabei ihre Finger im Spiel?

Allerdings. Die USA hat der chinesischen Regierung um Präsident Xi eine Vertuschung des Ausbruchs vorgeworfen. Der Streit der beiden überlagert deshalb auch das Treffen. Insbesondere nachdem Donald Trump sogar eigens Taiwan einladen wollte. Das Land hoffte bis zuletzt auf eine Teilnahme. Doch die Regierung in Peking verweigert ihr seit 2016 eine Mitgliedschaft, da sie die selbstverwaltete Insel als ihr Territorium ansieht. Die WHO blockte derweil auch ab. Sie habe kein Mandat das Land zur Gruppe hinzuzufügen – denn nur die Mitgliedsstaaten können entscheiden, wer eine Einladung erhält. Donald Trump ließ sich das natürlich nicht zweimal sagen.

Was hinter der Einladung steht, verstehe ich nur noch nicht.

Die Regierung in Taipeh hat viel Applaus für ihren Umgang mit dem Coronavirus bekommen. Sie reagierte schnell und meldet bei 24 Millionen Einwohnern weniger als 450 Infektionen und 7 Todesfälle. Taiwan war zudem das erste Land, welches die WHO bereits Ende Dezember vor der Pandemie warnte. Doch diese ignorierte die E-Mail und wartete darauf bis China drei Wochen später eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch meldete. Für die USA ein Beweis, dass China die Pandemie zu Beginn vertuscht haben soll.

Verstanden. Und was denkt Deutschland darüber?

Gute Frage. Die Bundesregierung unterstützt eine Aufnahme Taiwans und will auch sonst alles aufklären lassen. Da von einer internationalen Zusammenarbeit derweil noch wenig zu sehen ist, arbeitete Angela Merkel unterdessen mit dem französischen Präsident Emmanuel Macron an einem gemeinsamen Plan für Europa. Er soll besonders von der Corona-Krise betroffenen Staaten bei der wirtschaftlichen Erholung helfen und die bestehenden Hilfen um weitere 500 Milliarden Euro ergänzen.

Unterm Strich

Die WHO wird zum Spielball zwischen China und den USA. Statt die Krise zu bewältigen, kommt es zum Showdown des geopolitischen Streits der beiden Mächte.

Und sonst? 

Wer für Urlaubsstimmung sorgt…

Heiko Maas.Der Bundesaußenminister will die weltweite Reisewarnung voraussichtlich am 15. Juni aufheben. Sie soll dann durch individuelle Reisehinweise ersetzt werden, welche auf die Risiken des jeweiligen Landes aufmerksam machen. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits. Gestern traf Maas sich mit seinen Kollegen aus zehn der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen, um den Fahrplan abzustimmen. Es geht um Einreisebestimmungen, Quarantäneregeln sowie eine Zusammenarbeit der Gesundheitsbehörden. Eine europaweit einheitliche Lockerung soll es aufgrund der unterschiedlichen Entwicklungen der Pandemie aber nicht geben.

  • Wir bleiben Zuhause: Von CSU-Chef Markus Söder gab es Kritik. Er sprach sich im Gegenzug für Urlaub in der Heimat aus und schlug diesbezüglich sogar eine finanzielle Förderung (denk an Urlaubsgutscheine oder steuerliche Entlastungen) vor. Damit will er „ein Stück Entlastung für die Branche, aber auch Freude für die Menschen bringen.“
  • Leichter gesagt als getan: Urlaub in Deutschland steht bei vielen Reisenden hoch im Kurs. Schon jetzt ist die Angst vor einem Massenandrang groß. Schleswig-Holstein machte deshalb einen Rückzieher und sperrt über Pfingsten seine Nordseeinseln für Tagestouristen. Anderswo hingegen wird das Angebot bereits knapp.

Wer auf seine Freunde zählen kann…

Andreas Kalbitz. Der bisherige brandenburgische AfD-Landeschef darf Teil der Landtagsfraktion bleiben, obwohl er nicht mehr zur Partei gehört. Am Freitag wurde er von der Mehrheit des Bundesvorstands rausgeworfen, nachdem er frühere Kontakte ins rechtextreme Milieu verheimlicht haben soll. Die brandenburgischen Abgeordneten lassen deshalb eigens die Geschäftsordnung ändern, um seine weitere Mitgliedschaft zu ermöglichen. Nur den Posten des Fraktionsvorsitzenden ist Kalbitz los – zumindest bis sein Rauswurf geklärt worden ist. Er selbst will zivilrechtlich oder per Schiedsgericht gegen den Beschluss vorgehen. #neverendingstory

Wen wir vermissen werden…

Michel Piccoli. Gestern wurde der Tod des französischen Schauspielers bekannt. Der 94-Jährige soll bereits am 12. Mai in Folge eines Schlaganfalls verstorben sein. Mehr als 60 Jahre war er zuvor auf der Bühne oder vor der Kamera gestanden. Durch Klassiker wie „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ oder „Die Dinge des Lebens“ wurde er zur Legende. Dabei schlüpfte er nicht nur in die unterschiedlichsten Rollen, sondern stand in seinen insgesamt mehr als 220 Filmen an der Seite der großen Diven des Weltkinos, darunter Romy Schneider, Brigitte Bardot oder Sophia Loren. RIP.