25 März 2020

COVID-19: Unternehmen, Ausgangsbeschränkungen und neue Beitrittsgespräche

Business as usual war gestern

Die Story

Keine Frage, die Coronakrise betrifft uns alle. Doch manche Branchen leiden besonders.

Erzähl mir mehr.

Die Achterbahn auf dem Aktienmarkt geht weiter. Der Dax verbuchte gestern den größten Tagesgewinn seit mehr als zehn Jahren. 11% ging es nach oben. Anleger glauben nach den Maßnahmen der Notenbanken und Regierungen also an die Rettung der Wirtschaft. Am anderen Ende gerät der Arbeitsmarkt zunehmend unter Druck. Viele Unternehmen bekommen die Folgen des Coronavirus schon jetzt zu spüren.

Restaurants und Hotels…Deutschlandweit ist Gastronomie nahezu komplett geschlossen. Die Ausnahme: sie bieten Take Away oder Lieferdienste an. 2,4 Millionen Menschen arbeiten hierzulande im Gastgewerbe. Nachdem bereits Vapiano die Pleite meldete, traf das Schicksal gestern die Steakhaus-Kette Maredo. Nun soll die Ausweitung des Kurzarbeitergelds in der Systemgastronomie auf 90% des Nettoentgelts zumindest Arbeitnehmer über Wasser halten.

Die Tourismusbranche… Flugzeuge sind auf den Landebahnen geparkt. Die Lufthansa hält gerade einmal 5% ihres Flugplans am Laufen. Ryanair streicht sogar all seine Flüge. Das gesamte Spektrum der Branche ist betroffen. Während an einem Ende der Luftfahrtkonzern Airbus zu kämpfen hat, sagen am anderen Ende Reiseveranstalter wie Tui, FTI und Alltours ihre Reisen bis Ende April ab. Tui will sogar Staatshilfe beantragen, für viele Unternehmen liegt darin die letzte Hoffnung.

Einzelhändler…Während in den Supermärkten Hamsterkäufe die Umsätze nach oben treiben, bangen viele andere Geschäfte um ihre Existenz. Rund eine Milliarde Umsatzeinbuße kostet es die Einzelhändler pro Tag. Das Ende vom Lied: viele kleine Läden werden womöglich verschwinden. Schließlich hatten sie oftmals im Vorfeld schon gegen die zunehmende Konkurrenz aus dem Netz zu kämpfen.

Die Sportbranche… Der Ball rollt vorerst nicht mehr. Die Bundesliga setzt bis Ende April die Saison aus, während die Europameisterschaft um ein Jahr verlegt wurde. Das gleiche Schicksal blühte gestern auch den Olympischen und Paralympischen Spielen. Von Gehaltsverzicht und Spenden bis hin zum Gassi gehen. Viele Athleten zeigen in diesen Tagen Solidarität.

Autohersteller…In der deutschen Vorzeigebranche stehen die Fließbänder still. VW schickt 80.000 Beschäftigte in Kurzarbeit. MAN, Audi und Porsche haben ähnliche Anträge gestellt. Die ersten Autohersteller satteln deshalb um. Während sie in Amerika bereits grünes Licht bekommen haben, richtet sich hierzulande auch VW auf den Bau von Medizintechnik ein.

… und auch andere stellen ihre Produktion um.

Vom Mittelstand bis zu den größten Konzernen. Die Wirtschaft geht in den Kriegsmodus.  H&M, Prada und Trigema nähen fortan Schutzmasken sowie Kittel für Ärzte. Der Luxuskonzern LVMH stellt statt Parfüm und Champagner nun Desinfektionsmittel her. Auch der Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf zieht nach.

Und sonst?

Immer mehr Bundesländer nehmen schwerkranke Corona-Patienten aus den Nachbarländern auf. Schleswig-Holstein ist stattdessen in aller Munde, da die Bildungsministerin die Abiturprüfungen ausfallen lassen möchte. Zeugnisse soll es stattdessen auf der Basis der bisherigen Noten geben. Und Bayern? Markus Söder muss die rechtliche Grundlage seiner Ausgangsbeschränkung nachbesseren, nachdem zwei Bürger erfolgreich geklagt hatten. Bestehen bleibt sie aber natürlich weiterhin.

Unterm Strich

Die Coronakrise hat die Wirtschaft fest im Griff. Ob Weltkonzern oder lokaler Einzelhandel immer mehr Unternehmen kämpfen ums Überleben. Während Selbstständige um ihre Existenz bangen, bekommen es viele Arbeitnehmer in Form der Kurzarbeit zu spüren.

Wer zu Hause bleiben muss. 

2,6 Milliarden Menschen. Immer mehr Länder verhängen Ausgangsperren in der Hoffnung die Ausbreitung des Coronavirus damit einzuschränken. Gestern zwang die Pandemie das Land mit der zweithöchsten Bevölkerungszahl in die Knie. 1,3 Milliarden Inder sollen ihre Häuser die nächsten drei Wochen nicht mehr verlassen. Anders in China: Nachdem vergangene Woche landesweit keine lokalen Neuinfektionen mehr gemeldet wurden, dürfen gesunde Menschen ab heute die Provinz Hubei wieder verlassen. Nur die Millionenstadt Wuhan ist auch nach mehr als zwei Monaten abgeriegelt.

Wenn du dich fragst, ob es auch hierzulande so lange dauert:eine Antwort kann dir derzeit wohl oder übel niemand geben. Hong Kong, Singapur und Taiwan haben zum Beispiel sehr schnell Maßnahmen getroffen, sie aber genauso schnell wiedereingestellt. Während dort die Geschäfte die Türen aufsperren, steigen die Zahlen der Infektionen sprunghaft an. Gesundheitsexperten stellen sich deshalb auf einen langen Atem ein. Der Präsident des Weltärztebundes geht davon aus, dass die Krise uns „mit Sicherheit bis zum Ende des Jahres begleiten wird.“

Wer sich nach einem Platz am Tisch sehnt. 

Nordmazedonien und Albanien. Nachdem die Beitrittsverhandlungen seit letztem Jahr auf Eis liegen, will die EU diese nun wieder aufnehmen. Eine große Erleichterung dürfte das vor allem für Nordmazedonien sein, nachdem das Land extra einen jahrzehntelangen Namensstreit mit Griechenland überwunden hat. Bedanken dürfen sich die beiden Westbalkan-Länder aber bei Emmanuel Macron. Der französische Präsident hatte bisher sein Veto ausgesprochen. Nun sind sich alle 27 Mitgliedsstaaten einig, jedoch geht es auch dies Mal nicht ganz ohne Bedingungen. Albanien muss trotz Justizreform das Wahlrecht reformieren und vermehrt gegen Korruption und organisierte Kriminalität vorgehen. Erst dann heißt es „nice to meet eu!“.

Wer in die Heimat zurückkehrt. 

Die Bundeswehr. Sie zieht einige Soldaten aus Afghanistan ab.Derzeit sind rund 1300 Streitkräfte vor Ort, um als Teil der NATO-Mission „Resolute Support“ die afghanischen Sicherheitskräfte zu unterstützen. Nun soll rund ein Fünftel von ihnen Afghanistan verlassen. Der Beschluss kommt einen Tag nachdem der US-Außenminister Mike Pompeo Kabul einen Überraschungsbesuch abgestattet hatte. Eigentlich wollte er dort die Friedensgespräche zwischen der Regierung und den Taliban vorantreiben. Zur Erinnerung: Die USA und die Taliban haben ein Friedensabkommen unterzeichnet, um alle US-Streitkräfte bis zum Frühjahr 2021 abzuziehen. Afghanistan und die Taliban haben bisher jedoch noch keinen eigenen Deal erzielt. Auch Pompeo konnte daran nichts ändern und kürzte kurzerhand die finanzielle Hilfe für Afghanistan um 1 Milliarde Dollar. Und das soll erst der Anfang sein.

Gut zu wissen: Zahlen des Tages

Auf den Spuren: Sechs Millionen bestellte Masken, die eigentlich als Nachschub für deutsche Ärzte galten, sind in Kenia verschwunden.

Drastische Maßnahmen: NRW greift durch was die Kontaktsperre angeht. Wer sich künftig nicht an die Regeln hält, dem droht ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro.

Alkohol gegen die Krise: Jägermeister spendet 50.000 Liter Alkohol für Desinfektionsmittel. Klosterfrau, Pernod Ricard und andere Alkoholanbieter ziehen mit.

Patient 1: Italiens erster Patient ist wieder gesund. Nach einem dreiwöchigen Lebenskampf wurde er gestern entlassen.

Von wem wir uns verabschieden.

Albert Uderzo. Obelix gilt als unbesiegbar. Nun ist jedoch der französische Zeichner und Asterix-Erfinder im Alter von 92 Jahren verstorben. Nicht nur ganz Gallien weint.