09 März 2020

Covid-19, Ölpreissturz und Saudi-Arabiens Machtbehauptung

Alle gegen einen

Die Story

Deutschland gegen Covid-19. Das Virus zieht seine Kreise.

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Gestern wurde der erste deutsche Todesfall gemeldet. Ein sechzigjähriger Mann starb während einer Ägyptenreise. Insgesamt wurden in Deutschland bisher 902 Infektionen gemeldet. Das Virus hat sich damit binnen einer Woche verzehnfacht. Ein Ende ist jedoch noch lange nicht in Sicht.

Und wie hilft die Regierung?

Mit Geld. Angesichts der Corona-Krise hat sich die Große Koalition gestern geeinigt Unternehmen unter die Arme zu greifen. So soll es künftig weniger Hürden geben Kurzarbeitergeld auszuzahlen. Sprich, im Falle derartiger Ausfälle übernimmt die Bundesagentur für Arbeit künftig 60 Prozent des Nettolohns und zahlt diesen auch länger als üblich aus. Außerdem können Unternehmen Sozialbeträge für die ausgefallen Arbeitsstunden komplett erstattet bekommen. Betriebe, die besonders in Schieflage geraten sind, können zudem Liquiditätshilfen beanspruchen.

Und sonst?

Bundesgesundheitsminister Spahn rät seit gestern auch von Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen ab. Während viele Messen und Events bereits abgesagt wurden, könnte nun Fußballspielen das Gleiche blühen. Insbesondere das Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke steht im stark betroffenen NRW auf der Kippe. Auch das Reisen wird zunehmend schwieriger: die Lufthansa will bis zur Hälfte ihres Flugplans kürzen, Israel hat ein Einreiseverbot verhängt und auch die Lise der Reisewarnungen wird immer länger.

Apropos… was macht eigentlich Italien?

Italien rief am Samstag eine „nationale Notlage“ aus. Für Venedig, Mailand und anderen Regionen bedeutet das Quarantäne. Rund sechzehn Millionen Menschen sind deshalb bis Anfang April ein- beziehungsweise ausgesperrt. Schulen, Kinos und Gerichte bleiben zudem geschlossen. Die Regierung antwortet damit auf die steigende Zahl an Infektionen. Knapp 6.000 Menschen sind mittlerweile erkrankt, sodass den Kliniken die freien Betten ausgehen.

Unterm Strich

Regierungen weltweit ziehen immer drastischere Maßnahmen. Auch in Deutschland verschärft sich die Lage. Grund zur Sorge gibt es dennoch nicht, vorbereiten solltest du dich aber in jedem Fall.

Wenn sich zwei streiten.

Leidet der Ölpreis. Das Ölkartell Opec und Russland konnten sich nicht auf die Fördermengen von Erdöl einigen. Eigentlich wollte man aufgrund der sinkenden Nachfrage durch das Coronavirus die Produktion einschränken. Schließlich hat sich der Energieträger seit Jahresanfang bereits um mehr als ein Drittel verbilligt. Doch vor allem Russland scheint mit den niedrigen Preisen leben zu können. Für Saudi-Arabien Anlass genug, um die Produktion nun sogar auszuweiten. Da das Land immerhin als drittgrößter Produzent von Erdöl gehandelt wird, könnte es wohl oder übel nun zu einem Überangebot kommen und die Preise reagierten auch prompt. 30 Prozent weniger standen bereits heute morgen zu Buche. Spätestens wenn das Heizen und Tanken günstiger wird, dürftest auch du es merken. Aber damit nicht genug, weitere geopolitische Konflikte zwischen den Parteien könnten wieder heiß laufen. Stichwort: Syrien und Jemen.

Was Saudi-Arabien sonst so treibt.

Drei Prinzen sitzen in Haft. Dafür gesorgt hat angeblich kein anderer als Kronprinz Mohammed bin Salman höchstpersönlich. Er wirft ihnen aufgrund von angeblichen Putschplänen Hochverrat vor, sodass am Ende sogar die Todesstrafe drohen könnte. Was an den Vorwürfen tatsächlich dran ist, bleibt aber fraglich. Vielmehr geht es bin Salman darum seine Macht zu stärken. Rückblick: bereits in der Vergangenheit ging er gegen hochrangige Mitglieder der Königsfamilie vor. Im Herbst 2017 ließ er mehr als 200 führende Persönlichkeiten des Landes im Luxushotel Ritz Carlton festsetzen. Unter anderem wurde ihnen Korruption vorgeworfen. Ganz zu schweigen von der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi, bei der er maßgeblich seine Finger im Spiel hatte. Sein Ziel ist die uneingeschränkte Macht und dafür räumt er eben jegliche Kritik und Kritiker aus dem Weg.

Ein Lied für die Frauen

Die Story

Einmal im Jahr wird nicht nur unter sondern vor allem auch über Frauen geredet.

Erzähl mir mehr.

Sag bloß du hast den Weltfrauentag gestern verpasst! Wie jedes Jahr stand am 8. März das Thema Gleichberechtigung aller Geschlechter auf der Agenda. Die Geschichte: im Jahr 1911 forderten Frauen zum ersten Mal keine Sonderrechte, sondern Frauenrechte“ und zogen gemeinsam auf die Straßen. In vielen Ländern, selbst in Berlin, zelebriert man deshalb mittlerweile einen Feiertag. Schließlich sind wir nach mehr als 100 Jahren noch immer nicht bei der Gleichberechtigung angekommen.

Wie steht es denn um die Gleichberechtigung?

Während die #meToo Debatte in den USA, Europa und Japan 2018 einen Sturm der Entrüstung auslöste, wird die französische Gesellschaft im Fall Roman Polanskigerade wieder gespalten. Der Regisseur, gegen den eine Anschuldigung wegen Vergewaltigung vorliegt, wurde Ende Februar mit dem wichtigsten französischen Filmpreis ausgezeichnet – trotz heftiger Proteste.  Währenddessen gingen in Indienund Südafrika Tausende auf die Straße, um gegen die weit verbreitete sexualisierte Gewalt zu protestieren. In Saudi-Arabien und im Iran riskierten Aktivistinnen ihre Festnahme, als sie sich dem Fahrverbot und Kopftuchzwang widersetzten. Während in Argentinien, Irland und Polen Frauen sich gegen repressive Abtreibungsgesetze richteten.

Und Deutschland?

Seit 1994 Jahren gibt es den Gleichberechtigungsgrundsatz in Artikel 3 des Grundgesetzes. Geht es nach dem „Global Gender Gap Report 2020“ hat sich die Lücke zwischen Männern und Frauen mittlerweile zu fast 79 Prozent geschlossen. Platz zehn im internationalen Ranking. Bedanken dürfen wir uns vor allem bei der Politik.  Mittlerweile sind 40 Prozent der Ministerposten in Bund und Ländern mit Frauen besetzt. In der Wirtschaft sieht es hingegen noch anders aus. Die Rollenklischees bleiben. Frauen sind weiterhin Mangelware in den „neuen Berufsbildern“ und gehen noch weitaus häufiger in Elternzeit. Das Ende vom Lied, sie verdienen noch immer 21 Prozent weniger.

Was wird dagegen unternommen?

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat in der jüngsten Vergangenheit ambitionierte Pläne vorgestellt. Geht es nach ihr, dann soll es in börsennotierten Unternehmen schon bald mindestens eine Frau auf der Vorstandsebene geben. Was den Aufsichtsrat angeht, gibt es seit 2016 schließlich schon eine ähnliche Quote. Damit nicht genug: Dank einer Gleichstellungsstrategie sollen Frau und Mann schon bald bei allen Gesetzen und Förderprogrammen gleichgestellt werden. Das fängt bei der Entgeltgleichheit an und hört bei der gleichberechtigten Repräsentanz in Kultur, Wissenschaft, Demokratie und auf Führungspositionen. 21 Millionen Euro will die Regierung sich das kosten lassen.

Unterm Strich

Geht es nach einer Studie dauert es noch knapp 100 Jahre bis weltweit Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen herrscht. 2020 hätten wir uns etwas anderes vorgestellt.

Was heute ansteht.

Erdogan kommt nach Brüssel. Der türkische Präsident will sich mit Vertretern der EU an einen Tisch setzen, um nicht nur das Verhältnis zueinander, sondern vor allem die Migrationskrise an der griechisch-türkischen Grenze zu besprechen. Rückblick: Erdogan hat diese vergangenes Wochenende geöffnet und damit einen starken Flüchtlingsdrang ausgelöst. Erst gestern forderte er Griechenland auf die Grenzen zu öffnen und das nicht nur, da die Beamten auch weiterhin gewaltsam gegen die Migranten vorgehen. Einfach beziehungsweise günstig dürfte es für die EU also nicht werden, damit sich Erdogan schon bald wieder an das Flüchtlingsabkommen hält.

  • Was Deutschland sagt: der Syrienkonflikt war auch beim gestrigen GroKo-Gipfel Thema. Nach langem Hin und Her will man nun doch bis zu 1.500 unbegleitete oder schwer kranke Kinder von den griechischen Inseln aufnehmen.

Harry und Meghan sagen „bye bye“. Der heutige Commonwealth Day wird voraussichtlich der letzte öffentliche Auftrag von Königin Elizabeth II.  bevor die beiden sich am 1. April von ihren royalen Verpflichtungen verabschieden. Viel zu tun gibt es bis dahin allemal, denn noch immer ist ungewiss wie die beiden künftig ihren Lebensunterhalt bestreiten werden.