10 März 2020

Börsen auf Talfahrt, Erdogan erpresst und die nächsten Vorwahlen

Auf Talfahrt

Die Story

Covid-19 aka das Coronavirus hat die Aktienmärkte infiziert.

Erzähl mir mehr.

Gestern wurden die ersten zwei Coronavirus-Todesfälle innerhalb Deutschlands bekannt. Weltweit sind mittlerweile rund 4.000 Menschen an den Folgen verstorben. Doch während der Krankheitsverlauf bei den meisten Patienten mild verläuft, steigt die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen. Vor allem der Aktienmarkt spielt verrückt.

Was heißt das?

Der mögliche Ölpreiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien sowie dem Rest der Opec (sprich, der wichtigsten Ölstaaten) sorgte zunächst für den größten Preissturz des Energieträgers in 30 Jahren. Anschließend erlebten die Börsen einen schwarzen Tag. Egal ob Italien, Japan oder Deutschland an den Aktienmärkten ging es zu wie beim Schlussverkauf. Der Dax war zuletzt nach den Anschlägen vom 11. September 2001 derartig stark eingebrochen. Die Wall Street legte sogar einen kurzzeitigen Handelsstopp ein, nachdem der US-Index Dow Jones am Morgen um sieben Prozent eingebrochen war.

Und was heißt das jetzt für die Wirtschaft?

Eigentlich nichts. Investoren sind nervös in Angesicht der möglichen wirtschaftlichen Konsequenzen und verkaufen deshalb ihre Aktien, aus Angst, dass diese im Laufe Epidemie noch weiter an Wert verlieren könnten.

Unterm Strich

Die Angst lastet schwerer als die tatsächlichen Folgen. Eine Rezession ist deshalb auch noch außer Sichtweite. Wenn, dann wäre es aber die erste seit der großen Finanzkrise.

Wer nicht alles bekommt was er will.

Recep Tayyip Erdogan. Gestern stand sein Besuch in Brüssel an. Gemeinsam mit EU-Kommissionschefin von der Leyen und Ratschef Michel hatte er sich zum Dinner verabredet, um weitere Zugeständnisse abzupressen. Vom Flüchtlingsabkommen, bis zur Visafreiheit und der Lockerung der Zollunion, der türkische Präsident hat eine lange Wunschliste. Alles was die EU jedoch interessierte, dass das Flüchtlingsabkommen weiter gültig bleibe. Zu mehr kam es am Ende scheinbar nicht. Das letzte Wort ist damit definitiv noch nicht gesprochen.

Über was von der Leyen lieber spricht: ihr 100-tägiges Amtsjubiläum. Viel zu tun hatte sie in der kurzen Zeit allemal. Der Konflikt an der türkischen Grenze, das Coronavirus sowie die Lage in Lybien nach der Tötung des iranischen General Quassem Soleimani. Ganz nebenbei stellte sich noch ihren „Green Deal“, eine Digitalisierungsstrategie sowie ihre Ambitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz vor. Was jedoch noch aussteht: das EU Budget für die kommenden sieben Jahre. Nach dem Austritt der Briten, konnten sich die Staaten und das Parlament bisher nämlich nicht darauf einigen. Ob sie ihr Tempo in den nächsten 1700 Tagen durchhalten kann, wird sich also noch zeigen.

Was heute ansteht.

Frieden für Afghanistan. Eigentlich stehen heute die innenpolitischen Gespräche zwischen der Regierung in Kabul und den militant-islamistischen Taliban an.  Der Hintergrund: die USA hatte dies im Rahmen ihres Friedensabkommens vergangene Woche ausgehandelt. Nachdem die Taliban bereits die Waffenruhe verworfen hatten, gab es gestern den nächsten Dämpfer. Die politischen Rivalen Ghani und Abdullah haben sich beide zum Staatschef vereidigen lassen. Getreu dem Motto „doppelt hält besser“, war es der Höhepunkt eines jahrelangen Streits. Wie es so weit kam? Eigentlich wurde Ghani mit 50,64 der Stimmen zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt, doch Abdullah konnte sich damit nicht abfinden und pochte seither auf Betrug. Nun wollen sie also beide das Sagen haben. Bleibt zu hoffen, dass sich die beiden zumindest einig sind, was die Verhandlungen mit den Islamisten angeht. Denn wie sagt man so schön, wenn zwei sich streiten….

Bernie Sanders und Joe Biden gehen auf Stimmenfang. Es ist schon wieder Dienstag und damit steht eine neue Runde der Vorwahlen in den USA an. Sechs Bundesstaaten schreiten zur Wahlurne – darunter Michigan und Washington, bei denen es heute am meisten für die Kandidaten zu holen gibt. Mittlerweile hat Ex-Vizepräsident Joe Biden die Nase vorne, doch Bernie Sanders ist ihm dicht auf den Füßen. Vor einer Woche sah das aber noch anders aus. Das Ergebnis wird also mit Spannung erwartet.

Wem seine eigene Vergangenheit auf die Füße fällt.

Negative Kritiken für Woody Allen. Dies Mal geht es aber nicht um einen Film des US-Regisseurs, sondern die Veröffentlichung seiner umstrittenen Memoiren. Schließlich wirft ihm seine eigene Adoptivtochter seit Jahrzehnten sexuellen Missbrauch vor. Ob er sich in seiner Biografie dazu äußert ist unwahrscheinlich, inwiefern es überhaupt zur Veröffentlichung kommt jedoch auch. Nachdem der US-Verlag die Biografie am Wochenende bereits aus dem Programm genommen hat, fordern Autoren hierzulande aufgrund der anhaltenden Vorwürfe das Gleiche.