14 Mai 2020

Alina Köchling über Künstliche Intelligenz, Karriereentscheidungen und ihre Leidenschaft

Alina ist mit ihren 25 Jahren bereits Doktorandin an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Wir haben mit ihr nicht nur über ihre Forschung rund um das Thema Künstliche Intelligenz gesprochen, sondern vor allem auch darüber, wie sie ihre Karriereentscheidungen getroffen hat und was es heißt mit Leidenschaft bei der Sache zu sein.

Wie immer starten wir gerne am Anfang. Was war dein aller erster Job?

Als Studentin habe ich nebenbei im französischen Kundensupport bei einem Geldautomatenhersteller gearbeitet. Das mag auf den ersten Blick weit weg von meiner jetzigen Arbeit liegen, aber ich dadurch meiner Leidenschaft für die französische Sprache nachgehen.

Und wie kam es am Ende zu deiner jetzigen Position?

Nach meinem Master habe ich mich eigentlich schon als Marketingmanagerin in einem E-Commerce Unternehmen gesehen. Dass ich nun aber als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin arbeite, habe ich wohl unter anderem meiner Mutter zu verdanken. Sie hatte mich damals auf meine Leidenschaft für das wissenschaftliche Arbeiten hingewiesen. Denn im Laufe meiner beiden Studiengänge hatte mir das wirklich immer Freude bereitet. Nun ja und dann kam eben eines zum anderen. Ich hatte eine einzige Bewerbung rausgeschickt und der Rest ist Geschichte. Seit etwa über einem Jahr forsche ich mittlerweile an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf.

Was genau hat dich dazu bewegt deine Pläne zu ändern?

Gute Frage! Das war wirklich eine schwere Entscheidung, insbesondere wenn man bedenkt, dass eine wissenschaftliche Karriere schon ein besonderer Weg ist. Ich hatte im Vorfeld vor allem Respekt davor, mich drei Jahre mit der gleichen Thematik auseinandersetzen zu müssen. Doch gleichzeitig war es eine große Chance mich weiterzuentwickeln und etwas Neues zu lernen.

Du hast zuvor von Leidenschaft gesprochen. Inwiefern lebst du diese in deiner alltäglichen Arbeit aus?

Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Einerseits liebe ich den abwechslungsreichen Arbeitsalltag. Ich kann nicht nur meinem Forscherdrang nachgehen, sondern Konferenzen besuchen und dabei sogar ein stückweit Studentin bleiben. Es macht zudem Spaß an einem eigenen Forschungsprojekt zu arbeiten, insbesondere wenn am Ende die Ergebnisse veröffentlicht werden. Alleine für das Gefühl lohnt sich die Arbeit schon.

Apropos Forschungsarbeit… du beschäftigst dich dabei mit dem Thema Künstliche Intelligenz, richtig?

Genau! Ich erforsche inwiefern die Technologie in unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz kommen kann, insbesondere unter Berücksichtigung der Aspekte von Fairness und Diskriminierung. Dabei beschäftige ich mich einerseits mit der Lehre (denk an: Lernplattformen und Learning Analytics, sprich die Möglichkeit Daten, die über die Lernplattform gesammelt werden, algorithmisch auszuwerten) sowie Unternehmen aka dem Bewerbungsprozess.

Für alle, denen der Begriff Künstliche Intelligenz noch nicht geläufig ist – was versteht man darunter?

Einerseits ist Künstliche Intelligenz das Buzzword der Stunde, andererseits habe ich das Gefühl, dass viele noch nicht wissen, was sich eigentlich dahinter versteckt. Ich würde es als ein Überbegriff für ein breites Spektrum von Modellen, Methoden und Regeln bezeichnen, die zur Simulation menschlicher Intelligenz verwendet werden. KI-Anwendungen können Regeln anwenden, durch die Erfassung neuer Daten, Informationen im Laufe der Zeit lernen und sich an Veränderungen in der Umwelt anzupassen. Dadurch versucht KI wiederum menschliche Denk- und Verhaltensweisen zu veranlassen.

Und warum ist die Technologie so wichtig?

Die heutige Datenmenge übersteigt bei Weitem die Fähigkeit der Menschen, diese aufzunehmen. Doch Daten sind wiederum die Grundlage, um gute Entscheidungen zu treffen. Die Künstliche Intelligenz stellt also die Zukunft von komplexen Entscheidungsprozessen dar. Aber schon jetzt kommt sie vielfältig zu Einsatz. Sie ist es zum Beispiel, die uns bei Spotify und Netflix, neue Lieder und Filme vorschlägt.

Hat Künstliche Intelligenz auch einen Einfluss auf unseren Arbeitsalltag?

Definitiv! Jedes Unternehmen würde gefühlt am liebsten gerade etwas mit der Technologie machen. Doch oftmalsfehlt es an einer ausreichenden Datengrundlage. Dennoch ist sie zum Beispiel für die Personalauswahl schon gang und gäbe. Das reicht vom Scannen des Lebenslaufs bis hin zu Jobinterviews. Einige große Unternehmen, wie z.B. Intel, Ikea, Vodafone oder Unilever greifen auch KI-basierte Auswahlmethoden zu, wie z.B. asynchrone Interviews, bei welchen die Bewerber auf Fragen antworten, sich dabei filmen und diese dann über das Bewerberportal hochladen. Dies findet alles ohne Kontakt zum Recruiter statt. Die Beantwortung der Fragen wird wiederum algorithmisch ausgewertet und Persönlichkeitsprofile werden anhand von Gesichtsausdrücken (z.B. Lächeln, Mimik), Sprache (z.B. Komplexität, Vielfalt) und prosodische Informationen (z.B. Tonhöhe, Intonation und Pausen).

Was heißt das für mich als Bewerber?

Beim Lebenslauf sind definitiv die Keywords wichtig. Sprich, ein bestimmter Abschluss, die Note oder spezifische Kenntnisse. Deshalb sollte man sich am besten die Stellenausschreibung genau durchlesen und auch mit ähnlichen vergleichen. Dadurch bekommt man ein gutes Gefühl für die wichtigsten Fähigkeiten, die gesucht werden. Außerdem sollten sich Bewerber mit asynchronen Interviews vertraut machen und die Möglichkeiten zur vorherigen Übung nutzen.